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Und wer hat denn die Bibel geschrieben? Das war nicht etwa Gott, sondern das waren irgendwelche Menschen, die sich das ausgedacht haben als es noch keine derartige Wissenschaft gab wie heute. Und Macht spielte sicherlich auch eine große Rolle. Das Christentum hat sich entwickelt und ein schlauer Kopf, Konstantin der Große, hat versucht diese Grundsätze mit denen der heidnischen Kulturen zu vereinen und so das Christentum priveligiert, um das Römische Reich länger aufrecht erhalten zu können.
Vorhergehendes schrieb Islwiesel in einem anderen Thread. Damit wurde ein Thema angesprochen, das vielleicht einen eigenen Thread verdient hätte.
Als Einleitung gebe ich einen kurzen Exkurs aus einem ungleich längeren Text, den ich letzten Sommer verfasste. (Es sind schon ein paar Wörter mehr, aber vielleicht liest es ja doch der/die ein oder andere)
Jesus war ein direkter Nachfahre der Könige Salomon und David, womit ihm ein legitimer Anspruch auf den jüdischen Königsthron zustand.
Aufgrund seines königlichen Status wurde sein Leben von vielen Menschen begleitet und aufgezeichnet, wodurch über 80 Evangelien entstanden, die allesamt für das Neue Testament in Frage kamen. Doch nur vier schafften es letztendlich in die Bibel: Matthäus, Johannes, Lukas und Markus.
Eine bedeutende Rolle für das Neue Testament spielte der heidnische römische Kaiser Konstantin der Große. Seinerzeit war die offizielle römische Religion der Sonnenkult des Sol Invictus, des unbesiegbaren Sonnengottes.
Jedoch kam es mit der Zeit zu Konflikten zwischen Christen, deren Zahl über drei Jahrhunderte nicht geringfügig zugenommen hatte, und Heiden, und Rom versank tiefer und tiefer in religiösen Unruhen.
In Folge drohte das Römische Reich zu zerfallen.
Konstantin sah die Zeit gekommen, etwas zu unternehmen, und so vollzog er im Jahre 325 n. Chr. die Einigung des Reiches unter einer einzigen Religion - des Christentums.
Er hatte begriffen, dass diese Religion immer mächtiger wurde und sprichwörtlich aufs schnellste Pferd gesetzt, trotz seiner heidnischen Wurzeln.
Im Zuge dessen wurden heidnische Symbole, Feiertage und Rituale einfach mit den christlichen verschmolzen, und aus zwei Religionen entstand eine, die auf beiden Seiten auf Akzeptanz stieß.
Das Interessante an diesem Prozess war aber, dass das Heidentum quasi lediglich mit dem Christentum überschrieben wurde.
So wandelte sich die ägyptische Sonnenscheibe zum christlichen Heiligenschein und
die Abbildungen der Iris, die ihren auf wundersame Weise empfangenen Sohn Horus nährt, wurden zu Bildnissen von Maria mit ihrem Sohn Jesus, dessen Entstehung ja bekanntermaßen ebenfalls schleierhaft ist.
Auch andere Punkte, die sich auf Jesus beziehen, wurden direkt aus dem Heidentum übernommen. Der vorchristliche Gott Mithras beispielsweise wurde nach den Überlieferungen an einem fünfundzwanzigsten Dezember geboren, starb einen gewaltsamen Tod und stieg drei Tage nach seinem Begräbnis von den Toten auf.
Oder: Dem Gott Krishna wurden nach seiner Geburt Weihrauch, Gold und Myrrhe als Gaben dargeboten. Die Parallelen sind offensichtlich.
Selbst der wöchentliche Feiertag, der Sonntag, stammt aus dem Heidnischen.
Ursprünglich erklärten die Christen zwar den jüdischen Sabbat für heilig, jedoch verschob Konstantin den Festtag auf den Tag, an dem die Heiden ihren Sonnengott verehrten - auf den Sonntag. Weiterhin wurden heidnische Altäre, Gesänge und der Vorgang der Kommunion identisch auf die neue Staatsreligion übertragen.
Das heutige Christentum hat demzufolge kaum etwas Eigenes.
Die neue Religion musste sich vorerst noch etablieren und festigen.
Beim von Kaiser Konstantin einberufenen Konzil von Nizäa wurden daher christliche Angelegenheiten behandelt. Mitunter wurde darüber beschlossen, wann Ostern ist und wie viel Macht den Geistlichen zusteht.
Der wichtigste zu erörternde Aspekt jedoch betraf die Sichtweise auf die Person Jesu.
Die Sache war die, dass Jesus zu Lebzeiten und bis zum Konzil von Nizäa als Mensch, als mächtiger zwar, aber doch "nur" als Mensch angesehen wurde. Ein sterblicher Prophet.
Ein Erhöhung des Status Christi war für den Machterhalt des römischen Reiches und den der neuen katholischen Kirche von großer Wichtigkeit.
Aus diesem Grunde wurde Jesus mit Hilfe einer Abstimmung mit knapper Mehrheit zum zu einem gottgleichen Wesen erhoben. Nie zuvor wurde Christus im Allgemeinen als solches betrachtet, auch in den meisten Evangelien wurde er stets als Mensch beschrieben, als einfacher Mensch.
Nun aber war von Menschenhand ein Gott erschaffen worden, ein transzendentales Wesen mit ungreifbarer Macht.
Auf diese Weise wurde das Heidentum entscheidend gebremst, und die katholische Kirche konnte unter Berufung auf ihren Gott ihren profanen Machenschaften nachgehen.
Dennoch bestand das Problem, dass die Großzahl der Evangelien, die während Jesu Leben entstanden, ein anderes Bild von dessen Gestalt zeigte.
Darum gab Konstantin der Große eine neue Evangeliensammlung in Auftrag, die er selbst finanzierte. Diese durfte keine rein menschlichen Darstellungen von ihm enthalten, aber alles, was ihn in göttlichem Licht zeigte, wurde besonders hervorgehoben.
Die meisten anderen Evangelien wurden konfisziert bzw. vernichtet, und Menschen, die am ursprünglichen Jesusbild festhielten, wurden zu Ketzern oder Heretikern (lat. haerere: haften, beharren) erklärt.
Einige Schriften blieben jedoch erhalten und wurden in späteren Zeiten von Historikern entdeckt, darunter die 1950 gefundenen Schriftrollen vom Toten Meer.
Dem Vatikan lag viel daran, die Veröffentlichung dieser Schriften zu verhindern, da geschichtliche Widersprüche und Verfälschungen ans Licht kämen, die offensichtlich darauf verweisen, dass das neue Testament, wie es heute in der Bibel vorzufinden ist, von Männern zusammengestellt wurde, die ganz klar eine politische Absicht damit verfolgten.
Die neue Göttlichkeit Jesu war dabei ein starkes Werkzeug zur Untermauerung der eigenen Machtansprüche.