Mann stelle sich folgende Szene vor:
Ebene. Weite Ebene. Verdorrte Ebene. Da ein Strauch.
Ein Pferd mit 2 ½ Beinen „galoppiert” ein Stück von rechts ins Bild hinein,
stürzt dann aber gleich zu Boden, als seien ihm alle 2 ½ Glieder auf einmal abgehackt worden. („Springt alle draaauufff!”)
Darauf wird der trockene Strauch, dessen Wurzel bereits abgestorben und sehr lose war, endgültig weg geweht.
Das Pferd wird dann noch gefressen. Übrig bleiben ein paar Knochen.
In etwa so sah meine sonntägliche Vorbereitung auf die montägliche Klausur im Seminar „TTT I - Language & Text” aus.
TTT bedeutet Translationsorientierte Textanalyse und Textproduktion, ist in wirklich dann aber doch nicht so schön wie ihr Name.
Meine Unlust, mir das eine oder andere Thema nochmal anzuschauen, rührte zum einen aus dem wirren und angeschwächten Zustand, dessen Ursache in den samstäglichen Party lag, zum anderen aus dem Fakt, dass jene Klausur nur für die Erasmusstudenten von Bedeutung sei.
Sprich: Es gibt keinen Schein, alles egal, also kann ich jetzt auch die Simpsons-DVD gucken.
Montag Morgen stieg ich dann wie immer in den Zug nach Leipzig und hörte eine der CDs, die ich mir bereits am Vortag aus dem Regal genommen hatte (Silverchair - Neon Ballroom).
Als ich dann irgendwann keine Lust mehr auf Silverchair hatte, stieg ich um auf Down By Law (ich sag mal [softerer] Post-Punk). Als ich letztendlich den angesteuerten Seminarraum erreichte, war das fünfte Lied gerade vorbei.
Stop. Kopfhörer runter. Hallo.
Nach 45 Minuten war die, wie immer beängstigende „Einführung ins Dolmetschen I” zu Ende. Anschließender Raumwechsel.
Jetzt also Klausur.
Sie begann schlimm. Lauter Wortgruppen, die es zu übersetzen galt, was auch leicht zu machen gewesen wäre, hätte man sich die Materie nochmal angeschaut, denn das, was da stand, hatten wir definitiv in genau der gleichen Form schonmal gemacht. Schlimm war jedoch nur der erste Schreck. Das Hinterstübchen lässt einen nämlich manchmal nicht im Stich. Genauso wenig der Banknachbar.
Aber weitergehen sollte es dann wirklich schlimm. Und zwar mit Idioms.
Es waren Situationen gegeben, die Aufgabe bestand darin, die passenden englischen Sprichwörter dafür zu finden.
Darüber hinaus sollten Wendungen, wie beispielsweise „at sixes and sevens”, „high and mighty” und dergleichen erklärt werden, was aber, verglichen mit ersterem Teil der Aufgabe, noch recht passabel von statten ging.
Über diverse weitere Hürden, die man vielleicht hätte nehmen können, hätte man doch noch mal in den Hefter geguckt, stolperte man dann bis zum Finale: Abbreviations - Abkürzungen.
CIA…Central Intelligence Agency…AOB…any other business…NHS…National Health Service…GMT…Greenwich Meridian Time…IRA…Irish Republican Army…GMT…Greenwich Meridian Time…Greenwich Meridian Time…mod cons…modern conveniences…Greenwich Meridian Time…Meridian…hmmm…das hieß doch anders…aber ist schon was dran. Irgendwie.
Naja, irgendwann stand doch so einiges auf dem Papier, und ich konnte relative zufrieden sein. So halbwegs. Egal.
Tschüss. Play.
Auf dem Fahrrad denke ich dann „Moment mal, was singt der da?”. Es läuft Lied Nummer sechs, das bekanntermaßen an besagtes Lied fünf anschließt.
„Scheiße nein, das gibt's nicht.”
„I think no matter what time it is from Tokyo to Peru / they're on Greenwich Mean Time.”
Die Post-Punk-Band wir zur Post-Klausur-Now-It's-Too-Late-Punk-Band, und ich radel weiter. Immer dem Bahnhofstor mit der großen Uhr darüber entgegen.