Die Weihnachtsferien waren gerade vorbei, der alltägliche Ritt zur Uni stand wieder auf dem Plan. Mein Pferdchen, von mir liebevoll S-Bahn genannt, galoppierte rasch durch die Wildnis, die sich - gerade zu jener frühen Stunde des Tages - Meter für Meter selbst glich.
Die Weihnachtsferien waren gerade vorbei, der alltägliche Ritt zur Uni stand wieder auf dem Plan. Mein Pferdchen, von mir liebevoll S-Bahn genannt, galoppierte rasch durch die Wildnis, die sich - gerade zu jener frühen Stunde des Tages - Meter für Meter selbst glich.
Am östlichen Horizont konnte man die ersten Sonnenstrahlen ausmachen, die zwar der Nacht die Zunge raussteckten, meiner Müdigkeit jedoch wenig anhaben konnten.
Für mein Wachbleiben sorgte Musik, die aus den Kopfhörern dröhnte und mich das monotone Rattern der Räder auf den Schienen überhören ließ, das man gut und gerne auf eine CD für autogenes Training hätte pressen können.
In meiner geistigen Nullstellenverfassung, hervorgerufen durch den stetigen, leeren Blick aus dem Fenster, entging mir die rasche Personenanhäufung in dem kleinen Abteil, in dem ich mich zuvor ganz allein befunden hatte.
Und da mich die klebrigen Fangarme des externen Vorganges gegen die Fensterplaste pressten und mich somit jeder Fähigkeit, das nähere Geschehen zu beachten, beraubten, bekam ich auch reichlich wenig davon mit, dass man mit mir sprach, möglicherweise schon seit Sekunden.
Man wurde energischer, und ich erwachte aus meiner Lethargie.
Reflexartig nahm ich die Kopfhörer ab und schaute die beiden Männer, die da standen, halb neugierig, halb desinteressiert an. Ein erbärmlicher Anblick. Sie sahen aus, als hätten sie die letzten Nächte gänzlich ohne Schlaf, dafür aber mit Mengen an Kaffee und vielleicht gar der einen oder anderen noch härteren Droge verbracht. Ich schätzte beide auf Mitte vierzig und verfing mich blicktechnisch im Schnurrbart des desolater Wirkenden.
"Äh, wie bitte?", fragte ich.
- "Nehmen Sie mal bitte die Füße da runter."
Herr Schnurrbart deutete mit einem Kopfnicken auf den Sitz, der sich mir gegenüber befand. Darauf lag mein Rucksack, auf den ich wiederum meine Füße samt Schuhen gelegt hatte.
"Warum, mein Rucksack ist doch dazwischen", gab ich zu bedenken und fügte der Form halber hinzu "Darf ich erstmal wissen, wer Sie eigentlich sind?"
Der Bärtige sah mich eisern an, schickte dann einen genervten Blick gen Himmel, der aber von der Dachabdeckung des Abteils gestoppt wurde, kramte einen Ausweis aus seiner Jackentasche und hielt ihn mir vor's Gesicht, nicht ohne weiterhin den Entnervten zu markieren.
Ich war von der Situation im Allgemeinen zu überrumpelt, um mich bei den Herren zu erkundigen, ob es nun, nach der EU-Osterweiterung, zum Aufgabenbereich des Bundesgrenzschutzes gehöre, in aller Frühe verschlafene Menschen, die nicht im geringsten etwas Böses im Schilde führen, mit der Forderung nach der Entfernung der Füße von irgendwelchen Sitzen, selbst wenn da Rucksäcke dazwischen sind, zu quälen, und ob es denn zwingend notwendig sei, dabei auch noch zu versuchen, mit Argumentationen der Marke "Das gehört sich nicht" und "Sie machen ja alles dreckig" aufzutrumpfen.
Und überhaupt, es hätte ja doch nichts genützt.
Das Einzige, was in so einem Fall als Möglichkeit bleibt, ist, den Wünschen der Beamten nachzukommen.
Denn: Die machen ja auch nur ihren Job.